Ostallgäu
Sozialdemokratie
in Wort und Tat

ASF-Rose Festakt im Zeichen der Gleichstellung von Frauen und Männern

Die Verleihung der roten ASF-Rose an Margot Käßmann und Ilona Deckwerth war ein großes Fest der deutlichen Worte, klaren Positionen, regen Gespräche und des frohen Feierns. Vor 200 Gästen überreichten die lokale Preisträgerin und Ostallgäuer Vorsitzende Ilona Deckwerth aus Füssen und ihre Stellvertreterin Karin Wehle-Hausmann aus Marktoberdorf den Hauptpreis der Roten ASF-Rose an Prof. Dr. Margot Käßmann. Diese bedankte sich für die Preisverleihung mit einer mitreißenden Rede, in der sie deutlich machte, wo die Politik der Gleichstellung Frauen vorangebracht hat, aber auch, wo es noch viel zu tun gibt.

Der Saal im Haus Hopfensee in Füssen/Hopfen war bis zum letzten Platz besetzt. Aus der gesamten Allgäuer Region und darüber hinaus kamen die Gäste, um den Festakt der Verleihung der Roten ASF-Rose zu erleben. Die beiden Moderatorinnen Christiane Manthey aus Buchloe und Helga Ilgenfritz aus Kaufbeuren eröffneten und leiteten durch den Abend mit humorvollen kleinen Anmerkungen. In ihren Grußworten erwiesen Dr. Paul Wengert, MdL, Paul Iacob, Füssens Bürgermeister, und Heike Krautloher, die Ostallgäuer Gleichstellungsbeauftragte, den Preisträgerinnen die Ehre und würdigten den Beitrag der ASF-Rose für die lokale Gleichstellungspolitik. Im Anschluss daran skizzierte die schwäbische Juso-Vorsitzende Regina Renner aus Marktoberdorf die Geschichte der Roten ASF-Rose von den Anfängen bis heute. Über die Fraueninitiative PFIFF aus Füssen, der ersten Allgäuer Gleichstellungsbeauftragten Ruth Weißmann aus Kaufbeuren oder der Hausaufgabenhilfe Marktoberdorf und der SPD-Politikerin Jutta Jandl schlug sie einen Bogen bis hin zur Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, der früheren Generalsekretärin und heutigen Europaabgeordneten Barbara Lochbihler, der WDR-Moderatorin und Redaktionsleiterin Sonia Mikich, der ersten Frau als Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach oder den letztjährigen Gewinnerinnen, den Wellküren. Renner ließ die 17jährige Geschichte der Roten ASF-Rose anschaulich Revue passieren und erläuterte die Skulptur der Roten ASF-Rose mit dem Frauenspiegel und der Blume der SPD-Frauen, der roten Rose. Die Keramikfigur war von der schwäbischen Künstlerin Uschi Oberleitner geschaffen worden.

Anschließend kam es zum ersten Höhepunkt der Veranstaltung: die langjährige Füssener Stadträtin, erste Vorsitzende des Füssener Gleichstellungsbeirats und frühere ASF-Rose-Preisträgerin Hannelore Semmlin-Leix hielt die Laudatio für die lokale Preisträgerin Ilona Deckwerth. Darin beschrieb sie die vielfältigen Aktivitäten von Deckwerth im politischen und gewerkschaftlichen Kontext: die Gleichstellung der Frauen als Ziel, versuchte diese in ihren Wirkungsbereichen konkrete Schritte und Weichenstellungen dafür zu unternehmen und anzustoßen: für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für eine bessere Bezahlung von Frauen, für eine adäquate Anerkennung der Tätigkeiten von Frauen, für den Schutz von Frauen vor Gewalt und für eine existenzsichernde Altersversorgung, damit Frauen ihren Lebensabend in Würde und frei von Altersarmut genießen können. Ilona Deckwerth freute sich sehr über diese Auszeichnung und dankte in ihrer Rede allen BegleiterInnen und UnterstützerInnen im langen Kampf für die Gleichstellung.

Ilona Deckwerth (links) und Karin Wehle-Hausmann (rechts) überreichen Prof. Dr. Margot Käßmann den Hauptpreis der Roten ASF-Rose 2015.

Ilona Deckwerth (links) und Karin Wehle-Hausmann (rechts) überreichen Prof. Dr. Margot Käßmann den Hauptpreis der Roten ASF-Rose 2015.

Danach übernahm Ilona Deckwerth die Laudatio für die Hauptpreisträgerin, Prof. Dr. Margot Käßmann. Sie zeigte auf, welche eindrucksvolle berufliche Karriere Margot Käßmann bis zur ersten weiblichen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands durchlief, wie diese es schaffte, Beruf und Familie miteinander zu verbinden, ihre Lebensbrüche – die Krebserkrankung, die Scheidung oder die beiden Rücktritte – zu bewältigten und zu meistern, und dadurch an Kraft und Glaubwürdigkeit gewann. Deckwerth reicherte ihre Ansprache mit zahlreichen Zitaten von Margot Käßmann an, aus denen deren klare und vielen oft unbequeme Positionierung für einen neuen Weg zu einem gerechten Frieden, für die Überwindung der Armut und insbesondere für die Gleichstellung von Mann und Frau deutlich wurde.
Diese Positionen stellte Margot Käßmann in ihrer folgenden Rede mit dem Titel “Mann und Frau sind gleichberechtigt – noch Fragen?” selbst in eindrucksvoller Weise dar. Nach einem ironischen Einstieg über die Begriffe “Geschlechtergerechtigkeit” , “gender mainstreaming” und “Frauenquote” machte sie deutlich, wie wichtig gerade diese Ziele für eine Verbesserung der Situation der Frauen waren und sind: “Gleichstellung ist nicht Gleichmacherei. Um kreative Entfaltung des Lebens geht es.” In gewohnt pointierter Weise unternahm sie anschließend einen Streifzug durch gesellschaftspolitische Themen wie dem Kinderwunsch zwischen Wahlfreiheit und Machbarkeitswahn oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihr Fazit: “Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für viele Frauen heute ein zu leistender Kraftakt und Frau-Sein immer wieder ein Armutsrisiko”. Immer wieder verwies sie darauf, welche Diskrepanz es weltweit in der Frage der Frauenrechte gibt und unter welch schwierigen Bedingungen viele Frauen leben müssen. Darum forderte sie Solidarität mit all diesen Frauen in Not und erinnerte an die alte Streikparole von 1912 “Brot und Rosen”, als in Massachusetts, USA, 20 000 Textilarbeiterinnen für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne streikten. Sie schloss ihre Rede mit den Worten: “Den Frauen, die so überzeugt für ihre Rechte eingetreten sind unter schwierigen Bedingungen damals, und denjenigen, die es heute tun, widme ich die ASF-Rose, denn sie leisten und riskieren viel mehr als ich”.

Die Rede Margot Käßmanns riss das begeisterte Publikum zu einem langen und stehenden Applaus. Beim anschließenden Empfang suchten viele Gäste das Gespräch mit der Hauptpreisträgerin, die geduldig Rede und Antwort stand.

Artikel veröffentlicht am: 9. März 2015