Ostallgäu
Sozialdemokratie
in Wort und Tat

Frauenpolitische Sommerreise: Das Frauenhaus in Kempten

Schutz vor häuslicher Gewalt gibt es nicht umsonst: Mehr Unterstützung ist dringend nötig. Lesen Sie hierzu einen Bericht unseres Betreuungsabgeordneten Paulo Wengert.

Auch ein Treffen mit Vertreterinnen des Frauenhauses in Kempten stand auf dem Programm der „Frauenpolitischen Sommerreise“, die ich gemeinsam mit unseren frauenpolitischen Sprecherinnen Dr. Simone Strohmayr und Ruth Müller gemacht habe. Das Frauenhaus Kempten gehört mit 5 Schlaf-zimmern zu den kleinsten in Bayern. Für viele Frauen ist aber die regionale Nähe einer Schutzeinrich-tung sehr wichtig ist, da sie ihre sozialen Kontakte, die Einrichtungen für die Kinder oder ihren Ar-beitsplatz nicht aufgeben wollen. Für die Kinder, die die schutzsuchenden Frauen mitbringen, sind ein großer Spielbereich im Haus sowie Spielmöglichkeiten im Garten eingerichtet. Viele Frauen kom-men nur mit dem Notwendigsten in das Frauenhaus. Sie und die Frauen ohne eigenes Einkommen sind von Anfang an auf finanzielle Unterstützung angewiesen, die in der Regel erst nach einigen Wochen von den zuständigen Behörden fließt. Bis dahin werden sie vom Frauenhaus und vom Förder-verein des Frauenhauses finanziell unterstützt.
Claudia Dalla Torre, Vorsitzende des Fördervereins Frauenhaus Kempten e.V., informierte über die Finanzen des Frauenhauses. Das Frauenhaus in Kempten wird von einem Verein getragen, der eine staatliche Grundförderung in Höhe von 20.250 Euro sowie Zuschüsse des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten (jeweils 120.000 Euro) erhält. Alle weiteren Kosten trägt der Verein. Die Finanzie-rung ist immer schwierig. Sehr problematisch ist, dass der Freistaat sich nur anteilig an den Personal-kosten für die Arbeit mit den Frauen beteiligt. Unverzichtbare Arbeitsbereiche für die Organisation wie Hauswirtschaft, Instandhaltung, Buchführung und eine durchgehende Rufbereitschaft trägt der Verein. Dies alles und spezielle Angebote für Kinder ist nur durch Spenden möglich.
Unsere SPD-Landtagsfraktion fordert seit vielen Jahren eine bessere Unterstützung der Frauenhäuser durch den Freistaat, der sich selbst mit kleinlichen Beträgen beteiligt und die Verantwortung für die Finanzierung dieser Einrichtungen auf die Kommunen abwälzt aber gleichzeitig unter anderem eine 24-Stunden-Rufbereitschaft als Fördervoraussetzung fordert, die nur durch Ehrenamtliche aufrecht erhalten werden kann.

Artikel veröffentlicht am: 13. Oktober 2016