Ostallgäu
Sozialdemokratie
in Wort und Tat

G8 oder G9? Landtags-SPD fordert echtes Wahlrecht für ein Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten

Lesen sie hierzu einen Gastbeitrag unseres Abgeordneten Paul Wengert, MdL.

Jetzt bekommt Kultusminister Ludwig Spaenle offenbar Panik. Anders ist das sture Festhalten an dem unseligen Flexi-Jahr nicht zu erklären, das er im kommenden Schuljahr einführen will. Ruhe kommt in das bayerische Gymnasium aber erst, wenn die Forderung der SPD nach einem Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten aufgegriffen wird.
Umfrageergebnisse, nach denen die überwiegend Mehrheit der Eltern das neunjährige Gymnasium zurückhaben will, sind mehr als verständlich, weil die Vorgaben der Kultusministerkonferenz in der achtjährigen Form des Gymnasiums zwangsläufig eine große Verdichtung des Lehrstoffs bedeuten. Das überfordert viele. Dazu kommt die hohe Zahl von Leistungsmessungen, so dass für die notwendigen Wahlfächer und ehrenamtlichen Tätigkeiten keine Luft mehr zum Atmen bleibt. Sportliche und musische Aktivitäten bleiben zwangsläufig auf der Strecke. Gerade Sing- und Musikschulen, Musikvereine und Chöre sind besonders betroffen, weil die jungen Leute keine Zeit mehr dafür haben.
Der Spitzenkandidat der BayernSPD, Christian Ude, hat deshalb mit Recht bereits im vergangenen Jahr erklärt, eine SPD-geführte Regierung werde denSchülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern ein echtes Wahlrecht anbieten. Man kann ein G8 tatsächlich machen, aber sinnvollerweise nur in der gebundenen Ganztagsform. In Bayern gibt es aber so gut wie keine Ganztagsklassen an Gymnasien. Deshalb muss man für die große Zahl der Schülerinnen und Schüler eine schnelle Entlastung durch ein überarbeitetes G9 zulassen.
Was gar nicht geht, ist ein Flexi-Jahr, also ein freiwilliges Sitzenbleiben zwischen der achten und zehnten Jahrgangsstufe. Freiwilliges Sitzenbleiben gab es immer schon, hat aber mit ernsthaftem individualisierten Lernen überhaupt nichts zu tun. Was viele Schüler dringend brauchen, ist eine dauerhafte Entlastung und Entschleunigung in allen Jahrgangsstufen. Das geht eben am besten in einem Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten: G8 im Ganztagsbetrieb unter Einbindung der gesamten Palette sportlicher und musischer Aktivitäten und G9.
In einem Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag haben wir diesen Vorschlag am Dienstag erneut zur Debatte gestellt:

Gymnasium der zwei Geschwindigkeiten – Wahlrecht zwischen G8 und G9 zulassen!
Christian Ude: Wir machen die Landtagswahl zum Volksentscheid über die Bildungspolitik

Mit dem Argument, die Gymnasien bräuchten jetzt erst mal Ruhe (!), haben die Fraktionen der Regierungskoalition unseren Vorschlag leider abgelehnt. Dabei waren es doch sie selbst, die so viel Unruhe gestiftet haben und es war die CSU, die in ihrem Absolute-Mehrheit-Wahn in der letzten Wahlperiode völlig überstürzt das G 8 eingeführt hat. Nun wird sie die Geister, die sie rief, nicht mehr los. Statt das Übel an der Wurzel zu packen und ein Wahlrecht zuzulassen, doktert sie nun zusammen mit einer willfährigen FDP erfolglos an den Symptomen herum.
Die Spitze des Bayerischen Philologenverbands hat an unseren Vorstellungen in einem brandaktuellen Gespräch vom Mittwoch großes und durchaus positives Interesse gezeigt.
Ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des G 9, wie es nun die Freien Wähler angekündigt haben, halten wir nicht für den richtigen Weg.
Wie unser Spitzenkandidat Christian Ude diese Woche deutlich gemacht hat, geht es für uns darum, die Landtagswahl selbst auch zu einem Volksentscheid über die künftige Bildungspolitik zu machen. Ude: “Vorher ist ein Volksentscheid zeitlich gar nicht möglich. Und danach ist er nicht mehr nötig”, weil die SPD nach dem Wahlsieg eine Wahlmöglichkeit einführen werde.

Ihr Paul Wengert

Artikel veröffentlicht am: 25. April 2013