Ostallgäu
Sozialdemokratie
in Wort und Tat

Ist doch alles prima…

… diesem Eindruck kann man sich derzeit in Deutschland kaum entziehen: Die Wirtschaft brummt, der Arbeitsmarkt meldet Rekorde, die Finanzämter ebenfalls und die Euro-Krise ist auch schon so gut wie vergessen. Und nicht zuletzt haben die Deutschen am 22. September auch noch ihre Lieblingskoalition gewählt. Jetzt braucht die „größte Koalition“ der Nachkriegsgeschichte nur noch mit etwas mehr Steuergeld für etwas mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen und die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung im Land kann weitergehen.

So schreibt Christian Böllhoff von der Prognos AG, dem Zentrum für Wirtschaftsforschung und Strategieberatung, im Editorial des neuen hauseigenen Trendletters. Und doch warnt er, sich satt zurückzulehnen und zufrieden zu sein.

“Zugegeben, diese Zustandsanalyse ist leicht vereinfacht – dennoch sieht das Land derzeit mit profundem Selbstvertrauen in eine leuchtende Zukunft. Da ist der gefährliche Grat zu Selbstzufriedenheit, Selbstgerechtigkeit und Hybris in Politik und Medien schnell überschritten.

Überschriften vom Jobwunder, Handelsweltmeister und Rekordsteuereinnahmen prägen die aktuelle Wahrnehmung – so dass man den USA geradezu dankbar sein kann, dass etwas Wasser in den Wein gegossen wird. Allerdings geht die Kritik an der Wettbewerbsfähigkeit am Ziel vorbei, vielmehr gilt es die Investitionsschwäche im Inland zu überwinden.

So beeindruckend sich Deutschland nach 2005 aus der Lethargie befreit und die große Krise von 2009 lehrbuchmäßig gemeistert hat, so hart waren auch die damit verbundenen Reformen. Wer also jetzt hofft, die Zeit der ruhigen Ernte sei gekommen, der irrt gewaltig. Stillstand wird schnell bestraft – zumal das aktuell niedrige Zinsniveau einige Schwächen, gerade der staatlichen Haushalte, verdeckt. Außerdem ist das deutsche Erfolgsmodell, mit hochwertigen Investitionsgütern Weltmarktführer zu sein, ständig vonseiten der Schwellenländer unter Druck. In dieser Welt schneller Veränderungen kann Deutschland nur erfolgreich sein, wenn der Mut für gesellschaftliche Veränderungen – gerade in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten – nicht verloren geht und wieder verantwortungsvolle Reformen gewagt werden.

Prognos leistet einen Beitrag, um unser bewährtes System an die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts  anzupassen: an die Globalisierung, die Wissensgesellschaft, die Energiewende und den demografischen Wandel. Die Welt wartet nicht auf Deutschland oder die Europäer. Warum ein wirtschaftlich starkes Europa im Interesse Deutschlands ist, intelligente Haushaltspolitik und flexible Arbeitsmärkte für die Lösung der grundlegenden Probleme der Euro-Zone wichtig sind, können Sie in diesem “trendletter” von Prognos lesen:

www.prognos.com/fileadmin/pdf/publikationen/trendletter/trendletterSpezial_2013_was_wichtig_wird.pdf

Die Große Koalition hat die Gestaltungsmacht und damit die Verantwortung dafür, dass Deutschland ein Powerhouse bleibt. Es darf nicht darum gehen, sich „etwas zu gönnen“. Vielmehr gilt es, klug in die Zukunft Deutschlands und Europas zu investieren.” So Christian Böllhoff.

Bericht: pe

Artikel veröffentlicht am: 15. November 2013