Ostallgäu
Sozialdemokratie
in Wort und Tat

Weniger, älter, vielfältiger—Folgen des Demografischen Wandels

Lesen Sie einen Gastbeitrag von Ulrike Bahr, MdB: Es gibt gute Nachrichten für unsere Wirtschaft und unsere Sozialsysteme: Zumindest vorübergehend ist Deutschland zurück auf dem demografischen Wachstumspfad. Grund dafür ist die hohe Zuwande-rung der letzten drei Jahre. Für Bayerisch-Schwaben geht die letzte Hochrechnung darum von relativ stabilen Bevölkerungszahlen bis 2032 aus. Einige Städte, darunter Füssen und Augsburg, werden sogar wachsen. Ländliche Gebiete und kleinere Städte werden aber weiter an Einwohnern verlieren. Insgesamt wird sich unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren massiv verändern – sie wird bunter – und sie wird vor allem auch älter.

Im Zuge dieser Entwicklungen ergibt sich für Politik und Gesellschaft eine Vielzahl von Herausforde-rungen. Damit beschäftigen wir uns in der SPD-Bundestagsfraktion im Rahmen unserer AG „Demografischer Wandel“ sehr intensiv. Damit wir möglichst viele Facetten der Auswirkungen des demografischen Wandels erfassen, sind in dieser AG Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker aus allen Arbeitsgruppen der Fraktion vertreten. Diese fachpolitisch sehr breite Aufstellung ermöglicht uns dabei nicht nur den wichtigen Blick über den „eigenen fachpolitischen Tellerrand“ hinaus. Vielmehr lassen sich im themenübergreifenden Austausch Herausforderungen und Chancen, die mit dem de-mografischen Wandel in seiner Breite einhergehen, besser identifizieren. Nur wenn wir das Gesamte im Blick haben, können wir erfolgreiche und nachhaltige Strategien im Umgang mit dem demografischen Wandel entwickeln.

An diesen politischen Stellschrauben wollen wir drehen, und dafür setzen wir uns ein:

» Bildungspolitik, die jede/n mitnimmt und keine/n zurück lässt:
Wir brauchen jede und jeden, mit der bestmöglichen Bildung und Ausbildung. Bildung ist das A und O für ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben. Zugleich aber stehen Schul- und Kita-Träger gerade in ländlichen Räumen vor der Herausforderung, Kitas und Schulen auch bei sinkenden Kinderzahlen in erreichbarer Nähe, in guter Qualität und zu akzeptablen Kosten zu erhalten. Hier müssen Bund und Länder noch stärker mit neuen Konzepten an einem Strang ziehen.

» Arbeitsmarkt mit guter Arbeit für Jung und Alt:
Betriebliches Gesundheitsmanagement und Investitionen in Weiterbildung und Qualifizierung soll allen Generationen ein gutes und gesundes Arbeiten ermöglichen. Wir müssen Bildungskonzepte für lebenslanges Lernen stärken und fördern und damit auch flexiblere Übergänge von der Beschäftigung in den Ruhestand ermöglichen. Arbeit muss zugleich auch Raum und Zeit für die Familie lassen. Auf dem Weg zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wir mit dem Elterngeld Plus und der Familienpflegezeit erste Schritte gegangen. Aber es bleibt noch viel zu tun, um besonders Frauen eine gleichberechtigte Teilnahme am Erwerbsleben zu sichern. Gute Arbeit mit fairer Bezahlung ist die beste Absicherung für die Rente und den Ruhestand – sowohl für die gegenwärtige als auch für die kommende Rentnergeneration.

» Betriebliches Gesundheitsmanagement und Investitionen für eine Gesundheits– und Pflegepolitik, die Bedarf, gute Betreuung und Engagement in Einklang bringt:
Während es in Städten eher zu viele Ärzte gibt, fehlen sie vielerorts auf dem Land. Dort haben Allg-meinmediziner heute schon Schwierigkeiten, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Hier brauchen wir gute Ideen für Anreizsysteme und alternative Modelle wie medizinische Versorgungszentren, mobile Praxen oder nichtärztliche Praxisassistenten. Pflegeberufe wollen wir mit neuen Bedingungen für die Ausbildung attraktiver gestalten. Ergänzt werden können professionelle Angebote durch generations-übergreifende, kleinräumige Unterstützungsnetzwerke, in denen Angehörige, Nachbarn, bürgerschaftlich Engagierte und professionelle Dienstleister zusammenarbeiten.

» Verkehrspolitik,
die vor allem die Mobilität Mobilität durch öffentlichen Nahverkehr im Blick hat. Auch ein Mindestmaß an Mobilität gehört zum Daseinsfürsorge-Auftrag der Kommunen. Besonders Kinder, Jugendli-che und Ältere sind darauf angewiesen.

» Integrations– und Beteiligungspolitik,
die gesellschaftliches Zusammenleben fördert und weiterentwickelt: Ohne Zuwanderung kann es nicht gehen. Einwanderer müssen sich willkommen fühlen, sich integrieren und integriert werden. Auch ohne Ideen und Engagement der Bürgerinnen und Bürger vor Ort können Bund, Länder und Kommunen die Aufgaben nicht schultern. Die staatlichen Institutionen haben vielmehr die Aufgabe, guten Ideen und innovativen Konzepten den Weg zu ebnen und sie nicht durch Auflagen, Verordnun-gen und Verwaltungsvorschriften zu behindern.

Wichtig für mich als Sozialdemokratin sind bei allen diesen Themen der Interessensausgleich und die Solidarität von Jung und Alt, Männern und Frauen, von Menschen mit und ohne Behinderung, von Zuwanderern und Alteingesessenen.

Herzlichst,

Ihre Ulrike Bahr

Artikel veröffentlicht am: 25. März 2015